Veröffentlicht am

The Dungeon Masters

Als ich das erste Mal von dem Filmprojekt hörte, habe ich versucht, es direkt über die Produktion in den USA zu beziehen, was misslang. Mittlerweile hat der Versender meines Vertrauens für Rares und Spezielles  – der Sphärenmeister – die DVD im Programm und am nächsten Tag war sie im Laufwerk meines iMac und ich muss sagen es ist ein toller Film geworden – begeisternd und anrührend wie das Leben selber.

Um was geht es?

Wenn man einem Hobby fröhnt wie wir es mit den Rollenspielen tun hat man mehrere Möglichkeiten, sich dazu zu verhalten. Entweder man bleibt beim reinen Vollzug, sprich man spielt und macht sich nicht weiter Gedanken darüber. Oder man beschäftigt sich mit ihm auf der Meta-Ebene, gerade wenn das Hobby selbst schon den Rang einer Subkultur hat. Die extreme Gegenposition zum Vollzug wäre die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Hobby, was ich zumindest dröge, langweilig und zumeist wertend finde. Den idealen Zugang auf der Metaebene zu solch einem Thema finde ich persönlich in Beschreibungen: In der Dokumentation und dem Für-Sich-Selber-Sprechen des Themas. Bücher, wie „Fantasy Freaks and Gaming Geeks“ von Ethan Gilsdorf können das sehr gut. Oder aber, und das finde ich noch viel näher und dichter am Thema, die Form des Dokumentarfilms.

Jetzt sind Dokumentarfilme so eine Sache, gerade wenn sie aus dem Vereinigten Staaten kommen. Gibt es das dort neben Hollywood und dem Mainstream überhaupt? Gibt es genug Kultur für eine solche Filmszene und wie finanziert sich so etwas ohne Öffentlich-Rechtlichen-Subventions-Medien? Ach ja, Michael Moore haben wir gesehen und genossen und vielleicht noch „Supersize Me“ von Morgan Spurlock, aber dann wird es dünn. Aber dennoch gibt es Dokumentarfilme aus den USA und ein wirklich sehr guter wird hier gerade vorgestellt.

The Dungeon Masters beschreibt und begleitet drei D&D Spielleiter. Jeder lebt sein Hobby: Man geht auf Conventions, hat regelmäßige Runden und viel zu viele Regelbücher im Schrank. Die drei Protagonisten sind unterschiedliche Typen aus unterschiedlichen Regionen der USA und man lernt die drei wirklich kennen – wie man überhaupt einen Einblick in einen Teil des Geek-Amerika bekommt. Die Kamera ist dabei, nicht nur beim Spiel, sondern besonders da, wo das Spiel seine Spuren im Alltag hinterlässt. Der Film versucht gar nicht erst zu beschreiben, was Rollenspiele sind, wie es etwa Michael Schilhansl in seinem hervorragenden Film „Nur ein Spiel“ tut, den man in voller Länge auf Vimeo ansehen kann. The Dungeon Masters beschreibt die Menschen hinter dem Spielleiter-Schirm und zeigt dabei ein unglaublich intimes Bild der Geek-Subkultur auf.

Da ist beispielsweise der eher bürgerliche Richard, der einfach über einen TPK (Total Party Kill) nicht hinweg kommt, als seine Gruppe vollständig durch eine vermeintliche Tür ging, die aber eine Sphere of Annihilation war. Richard, der versucht mit seiner Gruppe ein versöhnliches Ende seiner Kampagne zu realiseren und der daran scheitert und letztlich seine Bücher einmottet und das Spielen Spielen sein lässt. Oder die sich in einer Orientierungsphase befindende Elizabeth, die sich fast ausschließlich in einer Drow-Kostümierung filmen lässt und neben D&D auch LARP und WoW fröhnt. Man erfährt Dinge aus ihrem bisherigen Beziehungsleben, die sich filmisch so niederschlagen, dass man während der Dreharbeiten gleich zwei ihrer Partner kennen lernt, weil die Beziehungs-Halbwertszeit so gering ist. Und schließlich ist da noch Scott, der davon träumt ein großer Storyteller und Schriftsteller zu werden – während seine Frau der beschwerlichen Arbeit der Managerin/Hausmeisterin in einer Wohnsiedlung nachgeht. Schmerzlich muss er erfahren, dass das Manuskript an dem er zwei Jahre gearbeitet hat, abgelehnt wird und die Kamera ist bei all den Hoffnungen und Enttäuschungen dezent dabei.

Der Film zeigt ganz offen Träume und Hoffnungen, Verletzungen und Traumata der drei Spielleiter aber ohne die Würde eines jeden zu verletzen. Und für alle drei wird die aufgenommene Lebensgeschichte auch für den Moment zu Ende erzählt. So findet Scott nach Ablehnung seines Manuskripts ein wenig Selbstliebe wieder, in dem er für den lokalen Fernsehsender eine richtig geekige TV-Show produziert. Für Richard sieht es nach dem Ende einer Spielerkarriere aus – er gibt aber seinem Nachfolger als Spielleiter in der Gruppe nach wie vor Tipps und setzt sich mit ihm auseinander – und findet einen Ruhepunkt im jüdischen Glauben. Und Elizabeth hat nach ihrem „Sabbatical“ wieder einen Job und eine neue feste Beziehung, so dass es auch bei Ihr nach Aufbruch aussieht.

Was den Film so wertvoll macht sind die Einsichten in das Leben des ganz normalen Geeks. Desjenigen, der sich entschieden hat, dass sein Schwerpunkt im Leben, eher im Spielen als in bürgerlichen Konventionen und Wertesystemen liegt. Bis auf Richard liegen alle eher im unteren Drittel der Mittelschicht, wenn überhaupt. Ein jeder der dreien meistert sein Leben, aber dasjenige, was ihm sein Leben wertvoll erscheinen lässt ist nicht der Job Title oder ein klassisches Bezugsmoment: Kreativität und Spieltrieb sind für sie die heldenhaften Elemente, an denen sich Anerkennung und Erfolg bemisst.

Keven McAlester ist mit dem Film ein ganz großer Wurf gelungen. Er muss nicht mehr erklären was Rollenspiele sind, aber er zeigt wer die Geschichtenerzähler hinter dem Screen sind. Er zeigt wie sich Leben in einer Subkultur vollzieht und wie schwer es mitunter wird, die Befriedigung, die ihre Teilnehmer aus dem Spiel ziehen, mit in den Alltag mit all seiner Härte und seinen Enttäuschungen zu nehmen.

3 Gedanken zu „The Dungeon Masters

  1. […] den Originalbeitrag weiterlesen: 15 – Finest Games » The Dungeon Masters Content Ende Zitat/ Auszug Diesen Beitrag in sozialen Netzwerken posten, Danke! […]

  2. […] This post was mentioned on Twitter by Reto M. Kiefer, raytasis. raytasis said: The Dungeon Masters #Rollenspiel http://tiny.ly/YAm0 […]

  3. […] den Originalbeitrag weiterlesen: 15 – Pen & Paper Gamesblog » The Dungeon Masters Content Ende Zitat/ Auszug Diesen Beitrag in sozialen Netzwerken posten, Danke! […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.