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Mein Dragon Age Experiment

Ich stelle es ja immer wieder erneut fest und es steht ja auch auf der „Über mich Seite“ in diesem Blog: Ich mag keine Computerspiele und finde sie ausnahmslos ausgesprochen langweilig.

Jetzt gibt es seit etwa einem Jahr das Computer Spiel Dragon Age (und bald dessen zweite Ausgabe), was sich für mich dadurch besonders auszeichnet, dass es als Computerspiel ein analoges Rollenspiel als Gegenpart bekommen hat. Wie immer bei erfolgreichen Computerspielen gibt es auch Romane, die in das Setting einführen sollen.

Ich habe lange gezögert, ob ich den Test wage zu sehen, ob mir Dragon Age zusagt, ob ich mit dem Computerspiel etwas anfangen kann, weil es ja das Rollenspiel gibt etc. Ich bestellte also das Rollenspiel und kaufte mir in einem Download-Shop Dragon Age für Mac. Dazu noch die beiden Bücher und ich war für das Experiment gerüstet. Ich muss zugeben ich hatte zu der Zeit Urlaub und dementsprechend Zeit.

Ich fing mit dem Computerspiel an, einfach weil es nach dem Kauf, respektive Doanload als erstes zur Verfügung stand. Schon nach zwei Stunden beschlich mich wieder diese unglaubliche Langeweile wenn ich am Compter spiele. Das Spiel war in der Tat nett gemacht und macht auf dem 27″ iMac auch ordentlich was her, aber es springt kein Funke über. Ich habe vorher im Web einiges über das Setting gelesen und es klang recht interessant, aber das Computerspiel bleibt einfach dröge für mich. Ich versuchte es die Tage darauf noch mehrfach, auch als ich Buch und Rollenspiel gelesen hatte – das Spiel bleibt völlig unzugänglich für mich. Die Bilder und Geschichten, die mir gezeigt werden bleiben schal und völlig aussagelos. Heute ärgere ich mich, dass ich das Spiel gekauft habe (die Download-Version kann man ja nicht weiterverkaufen), denn ich hätte es besser wissen müssen.

Die Romane sind – und Fantasy Romane lese ich ausgesprochen gerne – nur mittelprächtig. Den ersten habe ich ganz gelesen, den zweiten nur zu einem Drittel. Der erste Roman erzählt sozusagen die Vorgeschichte zum Spiel. Aber Geschichten, wie ein junger Mann zum König wird und Verantwortung übernehmen muss haben wir nicht nur schon zigmal gelesen, wir haben sie auch zigmal besser geschrieben gelesen. David Gaider mag ein begnadeter Spieledesigner sein, aber in der klassischen, schriftstellerischen Autorentätigkeit sehe ich seine Grenzen.

Schließlich das Rollenspiel. Es kommt in einer netten Box daher mit allem darin, was man zum Spielen braucht – inklusive der benötigten Würfel. Der inhalt setzt sich neben den drei D6 aus einem 64-seitigen Spielerhandbuch, einem Spielleiterhandbuch gleichen Umfangs und einer Posterkarte von Ferelden zusammen.

Die Regeln und die Optionen sind begrenzt und einfach zu lernen. Es gibt ein paar Rassen und drei Klassen (Magier, Kämpfer und Dieb), die mittels des einfachen Charakter-Erschaffen-Prozesses schnell erstellt sind. Der Regelmechanismus lautet immer 3D6 plus Ability plus Modifier gegen einen Zielwert. Das an sich besondere ist, dass der Drachenwürfel, das ist derjenige, der eine andere Farbe hat, verschiedene, besondere Wirkungen hat: Er entscheidet wie gut ein Test wirklich gelungen ist (in dem er die Anzahl der Erfolge angibt), im Kampf versorgt der Drachenwürfel den Spieler mit Stunt-Punkten, die in Spezialmanöver umgesetzt werden können und so den kleinen Extra-Kick im Kampf geben und bei Magie-Einsatz gibt er auch die Stunt-Punkte vor. Alles in allem kein Hexenwerk, aber die Idee mit dem Dragon Die finde ich sympathisch.

Das Rollenspiel versorgt einen übrigens mit relativ wenig Fluff, den muss man sich dann doch aus dem Computerspiel und den Romanen besorgen und so doll finde ich den dort auch nicht. Das mag daran liegen, dass Computer-Rollenspiele gar nicht so viel Hintergrund und Details benötigen wie etwa eine klassische D&D Kampagne, beispielsweise Greyhawk oder die Forgotten Realms.

Auch wenn mir die Mechanik des Pen&Paper Dragon Age gut gefällt und ich die Idee, Spieler mit einer analogen Umsetzung eines Computerspiels vom Bildschirm an den Tisch zu locken, unterstützen kann, bleiben für mich alle drei Produktlinien ein wenig blass. Ok es gibt Dämonenplagen und man hat als Zauberer die Templar am Hals, wenn man sich nicht der Gilde anschließt, weil Magie gefährlich für den Geist ist. Aber viel mehr bleibt für mich nicht.

Das Rollenspiel ist für Einsteiger geeignet, die ihre Fantasie aus dem digitalen Werk gespeist bekommen, die Bücher sind allenfalls eine Einleitung zu einem Computerspiel und das Computerspiel ist für mich so langweilig und nichts sagend  wie alle anderen auch. Das mag für mich alleine gelten, weil ich gerne meine eigene Fantasie produktiv werkeln lasse, wenn es darum geht Bilder und Stimmungen zu imaginieren und weil ich ohnehin nicht gerne Geschichten visuell erzählt bekomme, so verzichte ich auf TV, DVD, Konsolen und häufige Kinogänge.

Aber selbst wenn ich meine persönlichen Befindlichkeiten außen vor lasse. Ich denke die drei Medien verschaffen dem Konsumenten keine einheitliche „Experience“. Die Geschichte von Dragon Age mag für ein Computer-Rollenspiel ausreichen, aber für die Komplexität einer Romanreihe oder einer Rollenspielwelt ist es viel zu wenig, was an Impulsen und Geschichten geboten wird.

7 Gedanken zu „Mein Dragon Age Experiment

  1. Ich lese den Blog hier schon geraume Zeit mit. Was mir noch auf der Seele brennt ist das Thema

  2. […] dem schon etwas misslungenen Dragon Age Experiment habe ich bedingt durch eine Kehlkopfentzündung eher alleine gespielt und Rollenspielbücher […]

  3. 'Das Rollenspiel versorgt einen übrigens mit relativ wenig Fluff, den muss man sich dann doch aus dem Computerspiel und den Romanen besorgen und so doll finde ich den dort auch nicht. Das mag daran liegen, dass Computer-Rollenspiele gar nicht so viel Hintergrund und Details benötigen wie etwa eine klassische D&D Kampagne, beispielsweise Greyhawk oder die Forgotten Realms.'

    Einspruch. Fluff im CRPG gibt es mehr als genügend, allerdings a) ist die Franchise noch sehr jung (vergleiche z.B. Aventurien und die Realms kurz nach Erstveröffentlichung) und b) machen sich – im besonderen P&P'ler – häufig wenig Mühe, sich den Fluff jenseits der klassischen Teile des Settings anzuschauen. Der Mangel an Fluff und die unterschiedliche 'Experience' im P&P RPG liegt an einzig und allein an Green Ronin.

  4. es wird anscheinend mittlerweile zum Standard, dass Spielefirmen die besten Konzepte zusammenwürfel, gut schüttel und veröffentlichen. Schade eigentlich. Hoffentlich kommt bald mal was wirklich innovatives auf den Markt.

  5. Bei einem Fantasy-Setting ist mir immer wichtig zu sehen inwiefern sich dieses von anderen Settings absetzt. Gefährliche Magie + obligatorische Gilden gibts schon in WHFRP. Und Dämonenhorden auch. Ich kann verstehen, wenn die Spielefirma sich alle möglichen Konzepte zusammenklaubt und ein spannendes und grafisch tolles Spiel programmieren. Für ein P&P RPG , wo die Spannung von GM und Mitspielern kommt, kann man gleich zum Original greifen.

  6. Für jemanden, der sich nicht für Computerspiele interessiert musste ein Versuch mit Dragon Age fehl schlagen.
    Das ist ein unglücklicher Griff gewesen. Es ist in fast jeder Beziehung absoluter Durchschnitt, absolut einseitig im Gameplay, hat nur einen sehr spärlichen Unterbau als Spielwelt und es geht hin bis zur völligen Abwesenheit irgendeines motivierenden Herausforderungsgrad.

    Ich bin…war begeisterter Computerspieler, aber durch das bessere Einspielen ins Rollenspiel und die Kenntnis so gut wie jeder überdurchschnittlichen Titel bis ca. 2005 kann ich mich mittlerweile selbst du TripleA Titeln (zu denen DA NICHT gehört) kaum noch motivieren, ich kenne diese gähnende Langeweile mittlerweile durchaus. Das ist alles Schal und eindimensional und wiederholt sich immer und immer wieder.

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