Wizards neue Kommunikationsstrategie

Wer die Wizards of the Coast als Kunde begleitet, dem fiel auf, dass sie seit dem Jahreswechsel die Kommunikation mit den Kunden geändert haben. Herrschte bislang meistens reiner Ärger über das Schweigen zu Produkt- und Veröffentlichungsstrategien, finden eben diese Punkte nun eine Würdigung durch die Verantwortlichen. Vermutlich wurde der Ärger und das Unverständnis so groß, dass man sich doch PR Sachverstand ins Haus holte, um den Unmut der Spieler und Kunden zu dämpfen. In verschiedenen Angeboten suggerieren die Küstenmagier den offenen Dialog und eine Transparenz der Entscheidungen. Diese Kommunikationsangebote finden zumeist in den elektronischen Magazinen statt oder ausnahmsweise bei einer Q&A-Runde bei einem Con, wie hier bei der D&D Experience 2011. Jedoch stellt sich bei genauerer Betrachtung die Frage, ob hier wirklich das eingehalten wird, was vorgegeben wird.

Zu den neuen oder neu gestalteten Kommunikationsangeboten gehört unter anderem die Rule-Of-Three, eine neue Rubrik, die im Dungeon und im Dragon gleichermaßen aufgelistet wird. Hier sucht der Community Manager wöchentlich alle möglichen Äußerungen aus der Spielergemeinde ab und formuliert aus den dringlichsten Punkten drei Fragen, die dann von der Research & Design Abteilung beantwortet werden. Auch wenn die Fragen gestellt sein mögen, treffen sie doch ganz gut den Nerv dessen, was man in Blogs und Foren als Fragen mitnimmt. Die Antworten sind meistens befriedigend und kein Blabla.

Eine weitere Möglichkeit nutzt Mike Mearls, seines Zeichens Group Manager for the D&D Research and Development Team, in seiner neuen Kolumne „Legends and Lore“. In dieser Kolumne schaut Mearls nicht nur, woher D&D her kommt und welchen Weg es genommen hat, er schaut auch in die Gegenwart und Zukunft von D&D – genau das also, was sich viele wünschten.

So ganz überzeugt es mich aber nicht. Auch wenn der Auftakt zu Legend and Lore ein flammendes (aber nicht unumstrittenes) Plädoyer dafür war, die Zwistigkeiten der Anhänger der verschiedenen Editionen zugunsten der einen Liebe für das Spiel und das Hobby hintan zu stellen. Nimmt man beispielsweise mal den Artikel „Setting the Pace“ in dem Mearls das Zurückziehen von drei angekündigten Büchern mit der Historie vergleicht und schreibt, dass AD&D 1st Edition in 12 Jahren auch nur 13 Bücher hervorgebracht hat. Außerdem wolle man hohe Qualität garantieren, was man mit den häufigen Releases nicht erzielen könne (vgl. hierzu diesen Artikel). Ein toller Schuss ins Knie, denn das bedeutet umgekehrt, dass die ersten beiden Jahre von D&D 4th Edition durch die hohe Veröffentlichungsdichte nur schlecht gewesen sein können.

Es ist immerhin ein erster Schritt, im Vergleich zu vorher sogar ein großer Fortschritt und es kann nur besser werden. Solange man nicht für blöde verkauft wird, etwa an der Stelle, wo es hieß, dass man die Minis einstelle, weil die Rohstoffpreise zu stark gestiegen wären. Klar, mein Joghurt wird auch eingestellt weil der Rohstoff für die Becher teurer wird – WTF?!? (Beleg muss ich leider schuldig bleiben, es stand aber im Web geschrieben – ehrlich.)

4 Responses to Wizards neue Kommunikationsstrategie

  1. TheClone 18. April 2014 at 11:42 #

    Hm, ich lese seit einiger Zeit die Kolumnen und dergleichen bei WotC gar nicht mehr. Nachdem da in der Vergangenheit im Regelfall nur blabla drin stand, war es mir meine Zeit einfach nicht mehr wert. Und wenn ich so lese was andere darüber schreiben, scheine auch jetzt noch nicht viel zu verpassen. Auf mich machte es immer den Eindruck, das WotC bei solchen Texten Dinge schreibt um ein Ziel zu erreichen und nicht, weil es Tatsachen sind. Dass Mearls darüber schrieb, dass er zu Hause OD&D1 spielt und seine "Einigkeitsrede" etc. etc. Das scheinen mir alles zu einem guten Teil Texte mit einem Kalkül zu sein. Er will Spieler, die die 4e nicht mögen wieder ins Boot holen. Aber er schreibt das nicht, weil er seiner tiefsten inneren Überzeugung entspricht. Solange sich dieses Gefühl der "Falschheit" hält, wird WotC bei MIR nicht den Status von Paizo erlangen können, die auf mich einfach ehrlicher wirken.

  2. Cyric 18. April 2014 at 11:42 #

    Retro bezog sich bei mir nur auf die Forgotten Realms – die sind so zerstört, dass Wizards keine alten Fans zurückgewinnen können, wenn sie in der 5th Ed auf dem aktuellen Stand weiter machen. Und da Dragonlance ausgelutscht und Greyhawk absolute Grognard Domäne ist, dazu Eberon wie Dark Sun einfach zu speziell sind, werden sie eine Lösung finden müssen.

    Das schwierigst für WotC wird meiner Meinung nach sein, den Leuten zu erklären, warum bereits 2013 40 Jahre AD&D gefeiert wird und nicht erst 2014. Aber dafür bezahlt man ja eine Marketingabteilung, nicht wahr…

  3. Reto Kiefer 18. April 2014 at 11:42 #

    Gute Punkte Cyric. Ich rechne auch zum 40. mit einer neuen Edition. Ob die allerdings so retro sein wird, weiss ich noch nicht, die Chancen dafür stehen allerdings gut.
    Sie mussten sich mit der Kommunikation öffnen. In der Zeit von Web 2.0 und einer Kundschaft, die eng und emotional mit dem Produkt verbunden ist, reicht es nicht jeden Mittwoch ein paar Buff-Tweets für die Encounter abzusetzen. Die Konsumenten wollen abgeholt werden und in den Planungsprozess eingebunden werden.

  4. Cyric 18. April 2014 at 11:42 #

    Ich hab neulich eine ganz interessant Thesis zu dieser neuen Form der Kommunikation gelesen: "WotC ist dran an D&D 5th Ed." und hat von Paizzo gelernt – man nimmt die Spieler bei der Neuentwicklung ernst.

    Das erste Vorwort eines AD&D Handbuchs stammt aus dem Jahr 1973, das erste Buch aus 1974. 2013 / 2014 ist also das 40-jährige Jubiläum von Dungeons & Dragons und WotC wäre einfach dämlich, daraus nicht eine große Medienkampagne samt neuer Auflage zu machen. Mike Mearls hat ja mittlerweile selbst geschrieben, dass die Essentials Line kein 4th Ed ist (also doch 4.5?!) und somit wohl ein erster Testbalon. 2011/2012 dürften also eher ruhige D&D Jahre werden, mit Fokus auf dem Onlinesektor und mit reichlich Kundenbefragungen – dazu lizensierte Computerspiele, weitere Brettspiele und die Suche nach einem Weg, die Forgotten Realms für eine 5th Edition fit zu machen (meine Vermutung: komplettes Retro-Setting, angesiedelt bevor die Times of Troubles loslegten).

    Wissen werden wir es wohl erst in 2, 3 Jahren… aber ich bin recht zuversichtlich, dass es so kommt. Und das die Kommunikation bis dahin noch weiter "verbessert" wird…

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