Godlike – das andere Superhelden-Rollenspiel

Nach mehr als einem Monat Pause in diesem Blog, geht es nun endlich mit einem neuen Artikel weiter. Der Aufbau einer neuen Firma kostet Zeit und da kommt das Hobby leider mal zu kurz. Gestern war es endlich soweit. Nach langer Planung haben wir uns einen Tag zusammen gefunden und eine Runde Godlike gespielt.

Godlike ist ein ungewöhnliches Spiel und das Regelbuch kommt auch in ungewohntem Habitus daher. Sind Rollenspiele – und gerade Spiele mit einem Superhelden-Hintergrund – zumeist laut oder düster von der Aufmachung, kommt Godlike sehr Ernst und mit Pathos daher. Ja, die Helden haben besondere Fähigkeiten, aber sie sind genauso sterblich wie alle anderen auch und sie leben unter den Bedingungen und den Schlachten des zweiten Weltkrieges wie alle anderen auch.

Superkräfte in der dunkelsten Stunde der neueren Geschichte unserer Welt werden Talente genannt. Jeder Soldat der First Special Service Forces hat ein Talent. Die Soldaten des Elitetrupps sind die einzige Chance, gegen die „Übermenschen“, die das Dritte Reich aufbietet, zu bestehen und Europa aus der Schreckensherrschaft  Nazi-Deutschlands zu befreien.

Ich spiele in der Regel weder Rollenspiele noch Konfliktsimulationen, die historische Schlachten nachstellen – auch aus Respekt- und Pietätsgründen gegenüber den Menschen, die ihr Leben dort ließen. Mit alternativen WWII Realitäten wie Dust Tactics oder eben Godlike (auch Tannhäuser selbst wenn das streng genommen noch im WWI spielt) kann ich mit der historisch schwer verdaulichen Kost besser umgehen, weil der historische Realismus weggenommen wird.

Godlike ist nun so ein alternatives WWII Setting, das sich dennoch nicht heroisch sondern pathetisch gibt. Historische Konstellationen und Ereignisse werden präzise wiedergegeben, aber eben um den Aspekt der Talente und deren Implikationen auf den zweiten Weltkrieg ergänzt – was eine interessante Re-Lektüre historischer Bestände erlaubt.

Das macht das Buch zu einer sehr ernsthaften, pathetischen aber dennoch fantastischen Lektüre. Die Regeln des OneRoll-Systems stelle ich in einem kommenden Beitrag vor – so viel sei verraten: sie sind schnell und tödlich. War es mir in einer Session kürzlich nicht möglich, in D&D4 so etwas wie einen finalen Rettungsschuss zu platzieren, passt so etwas in Godlike und dessen Kommandounternehmen hervorragend rein – und es lässt sich exzellent regeltechnisch abbilden.

Wir spielten gestern zu siebt den Auftakt zur Black Devils Brigade. Eine epische Kampagne, die den Marsch auf Rom – startend im November 1943 in der Nähe von Neapel nachspielt. Der Auftakt zur Kampagne, der Sturm auf Hügel 960 war sehr stimmungsvoll. Der Kampagnenband bietet sehr viele Details zum Hintergrund und – ein entsprechender Spielleiter, den wir hatten, voraus gesetzt – nimmt einen in Beschlag. Bin runter zu den Nickligkeiten zwischen Kanadischen und Amerikanischen Mitgliedern der First Special Service Forces werden die Details lebendig. Der Krieg wird an keiner Stelle glorifiziert und die Helden wissen jederzeit um ihre Sterblichkeit.

Godlike sei jedem ernsthaften Rollenspieler anempfohlen, der eine interessante und seriöse Variante der alternate WWII Settings spielen will. Nach unserem Erfahrungen einer zwölf Stunden Session haben sowohl die Regeln ein paar Lücken, als auch die Timetable der Kampagne ein paar Ungenauigkeiten, aber beides fällt nicht ins Gewicht. Godlike und Black Devils Brigade sind hervorragende Rollenspielwerke, die auf ihre ureigene Art sogar dem schwer verdaulichen historischen Vorbild Respekt zollen.

3 Responses to Godlike – das andere Superhelden-Rollenspiel

  1. Finest Games » Die One-Roll Engine 18. April 2014 at 11:42 #

    […] Rahmen meines Berichts aus der Godlike Runde schulde ich noch einen kleinen Exkurs zum Thema One-Roll Engine (ORE), die in Godlike Verwendung […]

  2. Roland 18. April 2014 at 11:42 #

    Kommt ganz drauf an, was Du mit langfristig meinst.

    Eine anständige Kampagne kann mit Godlike sehr gut hinkriegen, aber die Anzahl möglicher Szenarien, die man in 2 Jahre Setting-Zeit einbinden und mit den gleichen Charakteren bespielen kann, ist natürlich begrenzt.

  3. Elden 18. April 2014 at 11:42 #

    Hört sich interessant an. Bei stark militärischen Settings frage ich mich immer ob es auch langfristig spielbar ist.

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