D&D 4 und Pathfinder – meine persönliche Meinung

Dies wird keiner der polarisierenden Artikel, die eine Edition mit der anderen vergleichen und bei denen meistens eine Edition überragend gewinnt und die andere verrissen wird. Es steht in der Überschrift ja nicht „D&D 4 vs. Pathfinder“ sondern ein „und“. Ich spiele seit ihrem Erscheinen die 4th Edition von D&D. Die 3. und 3.5 Edition des beliebten Rollenspiels habe ich nach Jahren großen Spaßes mit der AD&D 1st und 2nd Edition komplett übersprungen – nicht einmal gespielt. Seit einiger Zeit spiele ich in einer Pathfinder-Runde und ich muss sagen, dass es mir auch sehr gut gefällt. Es ist nicht besser oder schlechter wie die 4th Edition, es ist ein anderes Spiel, jeweils mit einem anderen Spielspaß und -Schwerpunkt. Ich will jedenfalls keines der beiden Systeme mehr missen wollen.

Beide haben ihr Recht am Spieltisch. Die Aussage, dass Pathfinder rückwärts gewandt ist, ist genauso pauschal falsch, wie die Aussage, dass 4th Edition ein MMORPG am Spieltisch sei.

Was ich an der 4th Edition sehr gut finde:

  • Sehr taktische Encounter, fast ein Skirmish Tabletop
  • Balanced in jeder Hinsicht
  • Viele Powers, die das Customizen von Basisklassen leicht ermöglichen
  • Eine Vielzahl an guten Regelbüchern und Zubehör
  • Schnelle NPC- und Encounter-Vorbereitung
  • Etliche gute, native Spielwelten / Settings

Zu den Nachteilen zähle ich, dass die Kämpfe viel zu lange dauern, dass durch die Balance der plötzliche Tod als Bedrohung wegfällt, die unsäglichen Skill-Challanges und dass durch die Konzentration auf die Encounter, der Aspekt des Rollenspiels leichter aus dem Blick geraten kann. Auch sorgen die vielen Optionen einiger Klassen für lange Entscheidungen, was die Figur in einer Runde tun soll. Die Charaktererschaffung geht fast nicht mehr ohne den Character Builder

Zu den Vorteilen von Pathfinder zähle ich

  • Überraschend schnelle Kämpfe
  • Vielseitige Charaktergestaltung durch Klassen-Optionen
  • Kompatibilität mit 3.5 und damit mit dem ganzen publizierten Material
  • Rollenspiel fällt leichter und wird in den Mittelpunkt gerückt.
  • Golarion ist eine interessante Welt mit gut gemachten Aspekten

Zu den Nachteilen zähle ich, dass die Taktik in Encountern bei weitem nicht so ausgefeilt ist, wie in der 4th Edition. Nachteilig ist auch, dass die unterschiedlichen Klassen auf den jeweiligen Leveln eine völlig andere Machtstufe haben. Das alte Problem seit der AD&D 1st, dass trotz aller Änderungen ein niedrig stufiger Wizard nicht mit einen Barbar hinsichtlich effektivem Encounter-Einsatz zu vergleichen ist. Auch stelle ich mir die Erstellung und das Spielen von komplexen Monstern und NPCs schwierig vor, da man dazu viele Feats, Skills und Spells auswendig vorhalten muss – Merkleistung, die man gerne auf sinnvolle Dinge verwendet.

Da Kämpfe bei klassischem D&D immer noch einen Löwenanteil ausmachen, und ich das Taktische sehr mag, wird dafür mein Herz für 4E schlagen. Obwohl es schon faszinierend ist, dass wir an einem Abend 4E maximal 2-3 Encounter schaffen, aber an einem Abend Pathfinder auch gerne mal die doppelte Anzahl. Neben Encountern ist das klassische Rollenspiel (in der 1. Person des Charakters redend und handeln) mir auch sehr wichtig. Und hier führt 4E ein wenig auf den falschen Weg, da das System eher auf Encounter-Bewältigung fokussiert ist. Von daher zieht es mich unter diesem Aspekt eher auf die Pathfinder Seite.

Die Wizards of the Coast haben drei große Schritte unternommen, um die 4E wieder für mehr Rollenspieler attraktiver zu machen: Der erste war mehr Fluff und damit Raum für Rollenspiel zu liefern, der zweite waren die Essentials, die die Komplexität einiger Klassen zurückgeschraubt und wieder tendenziell den Pathfinder-Klassen angeglichen haben. Der dritte Punkt war der mit dem Monster Manual eingeführte geänderte Mechanismus, welche Monster mehr Schaden machen. Alle drei Schritte haben der 4E unheimlich gut getan, aber das Problem der einseitigen Ausrichtung bleibt bestehen.

Ich werde beide Systeme liebend gerne weiterspielen, jedoch werde ich, wenn ich nochmals eine 4E Runde / Kampagne leite, einige gravierende Regeländerungen einführen, die das Spiel in eine mir mehr gelegene Richtung bringen sollen. Alles zu dem Set von Hausregeln in einem Follow-Up-Artikel hier auf Finestgames.de.

Aber wer beide Spiele ausgiebig gespielt hat und nicht zu dogmatischen Ansichten neigt, der sollte den allgemeinen Edition Wars nicht anheimfallen. Beide System decken unterschiedliche Aspekte unseres liebsten Hobbys ab.

7 Responses to D&D 4 und Pathfinder – meine persönliche Meinung

  1. Nerd Wiki 18. April 2014 at 11:42 #

    4th edition suckt und pathfinder rulz!

    just kidding, finde gut, dass du beidem was abgewinnen kannst.

    Als oldschool Pen & Paper-Rollenspieler bin ich 3.75 bzw. Pathfinder eher zugewandt.

    Dieses krampfhafte Streamlinen der Charaktere hat für mich 4th edition tatsächlich zu einem farblosen TAbletop gemacht. Keine Todesbedrohung…jeder kann das selbe, es heißt nur anders…etc pp.

    Aber ist eben auch Geschmackssache.

    Übrigens: Der "Blick in Dein Spielzimmer" bei "Über mich" ist atmeberaubend! *NEID* 😉

  2. Malakai 18. April 2014 at 11:42 #

    Bei Pathfinder finde ich die Welt und div. Adventurepath interessant, aber schon bei 3.5 hat mir ab ca. Level 10 das Spielleiten kein Spaß mehr gemacht. Einfach zu viel Vorbereitungsaufwand. Auf Spielleiter die beim Kampf erst die Feats und Spells nachschlagen, kann ich auch verzichten.
    Die 4e gefällt mir ganz gut, nur die Kämpfe müssten einen Tick kürzer sein. Die Kaufabenteuer legen mir auch viel zu sehr Fokus auf Kämpfe und vernachlässigen Rollenspiel, Erforschung, Intrigen und ähnliches.

  3. TheClone 18. April 2014 at 11:42 #

    Schöner Artikel und prima die "Editionskriegsminen" umgangen. Zu den Nachteilen bei PF möchte ich aber noch unbedingt hinzufügen, dass mich der immense Vorbereitungsaufwand und der die NPCs in Kämpfen zu steuern bisher davon abgehalten hat es zu leiten. Da ist die 4e einfach deutlich angenehmer.

  4. Reto M. Kiefer 18. April 2014 at 11:42 #

    @Elden: Der G+ Button ist jetzt eingebaut – Danke für den Hinweis!

  5. Greifenklaue 18. April 2014 at 11:42 #

    Schöne sachbetonte Gegenüberstellung.

  6. Zuul'khor 18. April 2014 at 11:42 #

    Sehr diplomatisch;)
    Also ich habe alle Editions gespielt und find die 3.75 derzeit am besten.
    Ich schau mir Deine houserules auf jeden Fall mal an. Bin gespannt, ob du die 4th so hinbiegen kannst, dass sie an pathfinder herankommt. Was du u.a. als Vorteil nennst, dass alles machttechnisch glattgebügelt wurde hat meines erachtens den riesigen nachteil, dass die klassen oft dasselbe können, es nur anders heißt. Das finde ich sterbenslangweilig. Aber mit nem guten DM und den richtigen Spielern ist vieles möglich;) good luck!

  7. Elden 18. April 2014 at 11:42 #

    Guter Artikel.
    Es fehlt der G+ Button 🙂

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